Generalsanierung des Gebäudes

 

In den Jahren 2006 und 2007 wurde im Zuge von umfangreichen Studien und folglich Grundlagenermittlungen untersucht und festgelegt, dass die bereits seit Jahren gedachte Generalsanierung umgesetzt werden sollte. Das Raum und Funktionsprogramm sowie die Kosten und Zeitkomponente wurden dabei definiert und waren Basis für das nun gebaute Ergebnis.

Dabei wurde in Abstimmung mit  Bauherrn, Nutzer, Bundesdenkmalamt und als Planer selber, immer das Ziel einer für alle Beteiligten optimalen Umsetzung der Aspekte der Architektur, Kosten, Zeit und Nutzerwünsche angestrebt und erfolgreich umgesetzt.

Das Hauptstiegenhaus wurde intensiv, stets auf die sich immer neuen Situationen, durch Freilegung der alten Malerei, bearbeitet, und wurde letztlich durch eine frei schwebende Lichtskulptur, welche das Vestibül mit dem Hauptstiegenhaus in Verbindung bringt, eindrucksvoll ergänzt und die Höhe und Kraft dieses Raumes zusätzlich damit unterstrichen.

 

 „Die Offenheit  des Raumes mit der freigelegten Oberflächenstruktur wird mit der Freiheit der Form der Lichtskulptur in Verbindung gebracht. Dieser Stiegenhausraum wird in seiner Form durch den betonierten, vom Bestand entkoppelten Aufzugsturm ergänzt, in seiner technischen Ausformung im Inneren der Unterschied zwischen dem „Stiegensteigen“ und dem „Aufzugsfahren“ verdeutlicht und damit eine räumliche Differenzierung geschaffen. Eine differenzierte Einheit ist das Ergebnis“.

 

Das Befreien von Einbauten in den Gängen hat neue Durchblicke und Ausblicke zur Folge, an deren Ende sich im OG1 der Hörsaal mit der ansteigenden alten Hörsaalbestuhlung  als einer der letzten dieser Art in neuem Glanz zeigt.

Der sorgsame und differenzierte Umgang mit dem Bestand hat dazu geführt, dass mit einfachen Mitteln die technische Versorgung derart umgesetzt wurde, dass ein späteres Adaptieren durch die eingesetzten Vorsatzschalen, neben den optimierten Kosten, möglich sein wird. Diese Vorsatzschalen haben in den Gängen, neben der Farbakzentuierung, welche sich aus den Bestandsfarben entwickelt hat, auch die Möglichkeit geboten, die Gänge und folglich auch die Arbeitszimmer mit indirektem Licht aus zu leuchten und setzt sich dieses Vorsatzschalenelement wie eine verzweigte Ader im gesamten Gebäude vor die Decken und Wände.

Der Außenraum wurde zur Mozartgasse und Humboldtstrasse befreit von Bewuchs und Bauwerken, das  zur Folge hat, dass das Objekt in seiner imposanten Erscheinung und der neuen warmen und edlen Farbgebung eine Bereicherung für das Stadtbild in Graz ist.

 

LAGE

 

In unmittelbarer Nähe zum neu errichteten „ZMB“ liegt das Gebäude an der Ecke Mozartgasse Humboldtstrasse und bildet den optischen Abschluss an der Nordseite des Universitätscampus im Bezirk Geidorf in Graz.

 

GEBÄUDEGESCHICHTE

 

Das Anna Kinderspital

Dem 1844 gegründeten Kinderspitalverein in Graz wurde 1856 in der Villefortgasse von Anna von Meran , der Gattin Erzherzog Johanns, ein Gebäude gestiftet. Bald war es zu klein und die Steiermärkische Sparkasse (gegründet von Erzherzog Johann) stiftete 1875 aus Anlass ihres 50-jährigen Jubiläums den Neubau des Spitals in der Mozartgasse.

Das Gebäude wurde 1877, nach zweijähriger Bauzeit, bezogen und erhielt im Jahre 1880 den Status einer k. u. k. Universitätsklinik.

Im Jahre 1895 wird eine eigene Lehrkanzel für Kinderheilkunde eingerichtet, die im Oktober 1906 Dr. Oktavia Rollett als erste Frau in Österreich als Sekundarärztin einstellt.

Marmortafeln an den Seitenwänden des Vestibüls zeugen von dieser Historie.

Die Pläne zeichnete der in Graz oft vertretene Baumeister und Architekt Andreas Franz. Die qualitätsvolle Anlage ist dreigeschossig, symmetrisch, der Hauptbau entlang der Mozartgasse neunachsig, mit dreiachsigem, kaum hervorgehobenem Mittelrisalit, bekrönt von einer unauffälligen Attika, welche die Aufschrift „Anna Kinderspital“ trägt. In der Zartheit und Flächigkeit des Fassadendekors, einer Nachempfindung der italienischen Palazzoarchitektur, erinnert das Gebäude doch an das späte klassizistische Biedermeier. Das prunkvolle Vestibül mit stark plastischer Wandgliederung klassizistisch architektonischer Formensprache entspricht in seiner Vornehmheit der Erbauungszeit. Bemerkenswert ist das dagegen modern anmutende, in der Symmetrieachse angelegte Stiegenhaus, das in Proportion und kubischen Formen sezessionistische Tendenzen zeigt. Im gusseisernen Geländer mit märchenhaften Details werden die Möglichkeiten des frühindustriellen Zeitalters verwendet. Die gesamte tragende Konstruktion besteht aus I-Trägern und Ziegeln.

1927 wurde unter Mithilfe von Spenden der Schulkinder der Steiermark der zweigeschossige Hörsaalbau in der Fortsetzung des nördlichen Flügels nach Plänen des bedeutenden Grazer Baumeisters und Architekten Johann Baltl erbaut. Das Gebäude ist nicht unterkellert. Decken und Stiegen wurden in Eisenbeton ausgeführt.

Weiters besteht die große Bedeutung des Gebäudes auch in städtebaulicher Hinsicht als wichtiges Glied im Ensemble der Mozartgasse, die an ihrer östlichen Seite noch unversehrt von der Humboldtstraße zur Heinrichstraße mit der Verbauung aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts führt und der Rückseite des barocken Meerscheinschlosses gegenübergestellt ist.

 

Am 10.12.2009 ist die formelle Übergabe von BIG zu KFU äußerst positiv erfolgt. Der Unterricht wurde bereits aufgenommen.

 

Bruttogeschoßfläche: 3.500m²
Netto-Baukosten: € 4,20 mio.

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